Stiftungsfestrede

Hohes Chargenpräsid,
werte Herren Farben-, Waffen- und Verbandsbrüder,
sehr geehrte Herren!
 

Ich darf Sie im Namen des Wiener Korporationsringes sehr herzlich zum heutigen Festkommers begrüßen, in dessen Rahmen meine liebe Wiener akademische Burschenschaft Moldavia ihr 140. Stiftungsfest feiert.

Der Vorsitz des WKR, den ich seit März diesen Jahres für die Burschenschaft Moldavia inne habe, ist für uns Moldaven keine Selbstverständlichkeit, konnten wir heuer doch erst zum zweiten Mal in der 62 jährigen Geschichte des WKR dessen Leitung übernehmen.

Die Gründe dafür sind einfach erklärt: Als eine der Gründungsverbindungen übernahmen wir im Geschäftsjahr 1955/1956 den Vorsitz dieser Arbeitsgemeinschaft, mussten aber am 23. November 1969 die Vertagung nach außen bekannt geben.

Nach der Reaktivierung im Jahre 1995 Jahres folgten mühsame Jahres des Aufbaues, ehe wir erst im Jahre 2013 erstmals wieder die personelle Stärke hatten, um unsere Pflicht der Arbeitsgemeinschaft gegenüber wahrzunehmen, und ohne, dass der Aktivbetrieb darunter allzu sehr leitet.

Und umso mehr freut es mich, dass ich gemeinsam mit meinem Bundesbruder, dem ersten und bis dato letzten Moldaven, der den WKR-Vorsitz innehatte, Dr. Volkmar Berger, heute diesen traditionsreichen Kommers feiern darf.

Und so schließt sich der Kreis: auf den Tag genau 44 Jahre nach unserer Vertagung eröffnete wieder ein Moldave den WKR-Kommers.

Soweit ein Blick in die Vergangenheit, einerseits wehmütig wegen der verlorenen Jahre, andererseits optimistisch hinsichtlich der Wiedererstehung.

Wendet man seine Aufmerksamkeit der Gegenwart zu, ist der Befund ob der Umstände, in welchen wir uns befinden, ähnlich gebrochen.

Von den 19 Mitgliedsbünden des Wiener Koporationsringes sind 10 voll aktiv, 3 Verbindungen haben zum Vertretertag am Beginn des Semesters halbe Verpflichtung gewährt bekommen. 6 Verbindungen sind derzeit vertagt. Im Laufe des Semesters wird sich mit der Akademischen Landsmannschaft Kärnten eine vierte Verbindung halbaktiv melden.

Sieht man sich die Statistiken den letzten Jahre an, so ist festzuhalten, dass die Zahl der vollaktiven und halbaktiven Bünde konstant bleibt. Leider aber auch die Zahl der vertagten Bünde.

Dies als eine den nackten Zahlen geschuldete Außensicht, wichtiger vielleicht aber als die Fragen nach den Quantitäten scheint mir die Frage nach der Qualität der Zusammenarbeit dieser 19 so unterschiedlichen Bünde.

Von Burschenschaften, Corps, Landsmannschaften bis hin zu den weiteren national-freiheitlichen Verbindungen. Man sollte meinen, dass es der Arbeitsgemeinschaft nicht immer leicht fällt gemeinsame, nach außen zu vertretende Position zu finden.

Und dies spiegeln ja auch die lebhaften Debatten am Vertreterconvent wieder. Eine besondere Qualität unserer Arbeitsgemeinschaft aber ist, dass am Ende des Tages mit großer Einigkeit und Wertschätzung gefasste Standpunkte vertreten werden.

Dies empfinde ich als Mitglied der Deutschen Burschenschaft und regelmäßiger Besucher des Burschentages in Eisenach als äußerst wohltuend.

Und diese Einigkeit nach innen ist gerade auf Wiener Boden von essentieller Bedeutung, wie wir bei jedem WKR-Ball, pardon Akademikerball, jedem Totengedenken oder sonstigen Veranstaltungen sehen müssen.

Das national-freiheitliche Waffenstudententum war in seiner 200 jährigen Geschichte selten Liebkind der jeweils herrschenden politischen Klasse.

Und dabei ist es auch geblieben.

Ich frage mich aber, ob diese dauernde Anfeindung, heute muss ja von Hass sprechen, mit dem man uns begegnet vom kleinsten Antifa - Kapserl bis hin zu den Führungsetagen der Polizei und des Innenministeriums, uns wirklich geschadet haben - oder ob es sich nicht um ein Stahlband handelt, durch welches unsere innere Einigkeit nur umso fester ersteht.

Wir werden dämonisiert. Wir werden als Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit dargestellt. Wir werden als Feinde des Staates angesehen.

Wir kennen die Phrasen und Stehsätze und denken bei uns, dass es unsere Altvorderen waren, die an vorderster Front für Meinungs-, Versammlungs- oder Pressefreiheit gekämpft haben. Und man muss sich die Frage stellen, ob eine Presse noch frei ist, die etwa in einer beispiellosen Täter-Opfer Umkehr 2.000 Ballbesucher zum Freiwild für die wohlstandsverwahrlosten, pseudointellektuellen, pseudoaktivistischen Witzfiguren erklärt.

Wir reiben uns tatsächlich verwundert die Augen, wenn 2.000 Ballbesucher eine Gefahr für eine Republik darstellen sollen.

Eine Republik die eben diesen Bürgern ihre Grundrechte nicht mehr sichert und zugesteht, während vor den Toren der Hofburg die Zivilgesellschaft in Gestalt des wütenden Gutmenschentums Amok läuft und nicht mehr vor Leib, Leben und Eigentum anderer „MitmenschInnen“ halt macht.

Die Szenen aus dem letzten Jahr sind Ihnen wohl alle noch in Erinnerung.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai wurden zwei unbeteiligte Herren vor unserem Haus von 7 bis 8 vermummten Personen hinterhältig überfallen und krankenhausreif geprügelt. Deren Fehler war es, sich in der Nähe des Hauseinganges der Vorsitzenden des WKR aufgehalten zu haben und fälschlicherweise als Waffenstudenten erkannt wurden.

Der eine, ein MKVer, war im Anzug und hatte sein Farben im Sakko eingesteckt.

Der andere war ein einfacher Tourist. Keine Narben im Gesicht, kein bunter Hut auf dem Kopf, kein Seitenscheitel. Jedoch hatte er seine Hand in Gips. Doch auch davor machten sie nicht Halt.

Im Zweifel wird auf jeden eingeprügelt, auch wenn sich der MKV oder CV noch so sehr von uns distanzieren.

In der Nacht vor der Nationalratswahl wurde ein Waffenbruder beim Verlassen unserer Bude beobachtet und von „DemokratenInnen“ auf offener Straße heimgesucht. Eine blutende Nase, mehrere Schläge auf den Brustkorb und ein Krankenhausaufenthalt war die Folge.

Doch, meine Herren, was kann unsere Antwort darauf sein?

Uns verstecken? Vielleicht nicht mehr zu fechten, damit man keinen Zieher mehr beziehen kann, der einen scheinbar eo ipsp und automatisch als Nazi outet?

Sich ja nicht im nicht-korporierten Freundeskreis, auf der Hochschule oder im Berufsleben zum Waffenstudentum zu bekennen?

Die Antwort, meine sehr geehrten Herren, darf nicht sein, dass wir uns feig auf unseren Häusern verkriechen! Die Antwort muss sein, dass wir gemeinsam aufstehen, die unwissende Masse aufklären, auf uns aufmerksam machen und vor allem unsere gemeinsamen Veranstaltungen wieder vermehrt besuchen.

Die nächste Möglichkeit dazu haben Sie, wenn Sie am 24. Jänner 2014 den zweiten Wiener Akademikerball in den Festsälen der Wiener Hofburg besuchen.

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass sie uns nicht hinaus kriegen. Egal mit welchen Mitteln sie es versuchen.

Auch hat man letztes Jahr gesehen, dass der Ball nicht – wie befürchtet - von Nichtwaffenstudenten überschwemmt wurde. Es war ein Ball, wie wir auch ihn die letzten Jahrzehnten als Höhepunkt des waffenstudentischen Lebens in Wien gefeiert haben.

Die Veranstaltung am 8. Mai, wie wir es seit der Mitte der 90er Jahre veranstaltet haben, ist Geschichte. Die genauen Hintergründe werden ich Ihnen, sofern sie nicht ohnehin schon bekannt sind, ersparen. Fest steht: Mit unserem beharrlichen Auftreten haben wir aufgerüttelt. Und es sogar geschafft, dass das "offizielle Österreich" eine Mahnwache für alle Toten der beiden Weltkriege abhält. Nichts anderes haben wir jemals gewollt.

 

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Wappen der B! Moldavia